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By: Generation Herbst  05/12/2011

Montag 22.12.2008

Heute wollen wir beiden Frauen allein auf Shopping-Tour nach Wexford. Die Männer müssen zusehen, wie sie allein klarkommen und sich die Zeit ohne uns vertreiben. Mal sehen, ob wir nicht ein bißchen Geld in das irische Weihnachtsgeschäft investieren können.

So gegen die Mittagszeit kommen Maike und ich in Wexford an. Guten Mutes und voller Hoffnung ein paar nette Weihnachtsschnäppchen zu ergattern, machen wir uns auf in die Fußgängerzone. Hier befindet sich ein Geschäft neben dem anderen und wir lassen kaum eines aus, um nach hübschen Dingen oder Geschenken zu gucken. Eine dicke, warme Herrenjacke, die zu dem auch noch gut aussieht, kostet überall ein halbes Vermögen. Maike probiert in verschiedenen Schuhgeschäften Stiefel an, findet aber nirgends ein wirklich bequemes und schickes Paar. In einem Laden stoßen wir sogar auf einen total lustlosen Schuhverkäufer, der möglichst wegsieht, sobald ihn ein potentieller Kunde fragend anschaut. Sein Versuch, uns als Kunden schnellstens zu vergraulen ist deswegen auch alsbald von Erfolg gekrönt. In einem anderen Geschäft sticht uns eine niedliche Kinderjacke ins Auge, genau passend für Emil, die wir nach sorgfältiger Begutachtung gleich mit einem T-Shirt ergänzen und kaufen. In einem Haushaltswarenladen sucht Maike einen blauen Wasserkessel für den AGA-Cooker aus und besorgt sich ein Ofenthermometer, damit sie endlich herausfinden kann, welche Temperaturen die verschiedenen Ofenfächer haben. Ich kaufe noch einen Nußknacker, bei dem man sich - so glaube ich zumindest - nie mehr die Hand verletzen kann (wie mit dem herkömmlichen des öfteren geschehen).

Zwischen den diversen Shoppingstationen besuchen wir einen stark frequentierten Imbiß. Hier kann man sich die Zutaten für die gewünschte Mahlzeit selbst aussuchen und frisch zubereiten lassen. Da ich mich mit den vielfältigen, sorten- und mengenmäßigen Angeboten nicht so gut auskenne, gehe ich auf Nummer sicher und nehme ein Stück Kuchen und einen Becher Kaffee und beobachte, was Maike sich herrichten läßt. Es sind verschiedene Gemüse und Fleischteile, die in einen Teig gewickelt und kurz gebacken werden. Maike schmeckt es sehr gut, darum sage ich lieber nicht, was ich denke (der Teig erinnert mich stark an einen Lederlappen zum Fensterputzen). Ich hoffe flehentlich, dass Maike mir beim Lesen diesen Gedanken verzeiht.

Am Ende einer Straße sehen wir ein Schild mit der Aufschrift “Werners deutsche Bäckerei”. “Oh, prima!” glauben wir, hier bekommen wir bestimmt richtiges Schwarzbrot, so wie wir es von zu Hause in Norddeutschland kennen. Aber was soll ich sagen, auf einem Innenhof ist ein Marktstand aufgebaut und zwei deutsche Frauen wollen uns stinknormales Graubrot als Schwarzbrot überbraten! Wir versuchen, ihnen zu erklären was wir meinen und möchten, aber sie behaupten, sie kämen aus dem Osten und einer aus dem Norden (welchen?) hätte ihnen die Brotsorten so beschrieben und so wäre das auch ganz bestimmt richtig, das wüßten sie genau! Und dann fliegen uns Prozentzahlen von verschiedenen Getreidearten und Anteilen um die Ohren. Zum Schluß meinen sie, dass sie auch nicht täglich dort ständen und erst ab Februar regelmäßig mit ihren Backwaren vor Ort seien. Wir sollen doch jetzt ihr leckeres Brot kaufen. Was wir nicht tun, denn so geht man nicht mit Kunden um - meinen wir!

Es ist schon wieder spät und dunkel, eigentlich wollten wir um diese Zeit schon  zu Hause sein, aber wir müssen noch zu Tesco, einem Riesensupermarkt (vergleichlich etwa mit Famila), wo es nichts gibt, was es nicht gibt. Kurz nachdem wir hier im Laden sind klingelt das Handy:” Wo bleibt ihr denn?” Unsere Männer haben Sehnsucht. Aber wir brauchen noch etwas Zeit und versprechen ihnen, uns zu beeilen. Maike hat dann doch noch einige schöne Sachen für ihren Schatz gefunden und unter anderem den lang ersehnten Besenstiel mit Gewinde. Ich probiere noch kurz die vierte Variante eines nachgemachten Karnickels (Jacke) an, aber es zwängt mir die Arme absolut eng an den Körper und ich kann mich nicht mehr frei bewegen. Genauso wie bei den Muckijacken in den anderen Geschäften. Habe ich so dicke Arme oder die irischen Frauen spindeldürre ohne Gelenke? Paßt nicht, macht nix, wir müssen jetzt zurück zur Burg zu unseren verlassenen Männern und machen uns zügig auf den Weg.

Abends hat es etwas Leckeres bei Neville’s zum Essen gegeben. Wir haben es tatsächlich noch geschafft, vor Küchenschluß dort einzutreffen.


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